Quintenzirkel einfach erklärt – mit kostenloser PDF

Der Quintenzirkel ist eines der wertvollsten Werkzeuge in der Musiktheorie – und doch wird er von vielen Musikern als kompliziert empfunden. Dabei kann er dir das Klavierspielen erheblich erleichtern! Mit dem Quintenzirkel findest du blitzschnell heraus, welche Tonart ein Stück hat, welche Vorzeichen dazugehören und wie Tonleitern miteinander verwandt sind. In diesem Artikel erklären wir dir Schritt für Schritt, wie der Quintenzirkel aufgebaut ist, wie du ihn praktisch anwendest und welche Merksprüche dir das Lernen erleichtern. Inklusive kostenloser PDF zum Download, die du dir ausdrucken und neben dein Klavier legen kannst.

Quintenzirkel mit Merksprüchen und Vorzeichen

Was ist der Quintenzirkel? Definition und Grundlagen

Der Quintenzirkel ist eine grafische Darstellung, die alle zwölf Dur-Tonarten und Moll-Tonarten in einem Kreis anordnet. Der Name leitet sich vom musikalischen Intervall der Quinte ab – dem Abstand von fünf Tönen innerhalb einer Tonleiter.

Was ist eine Quinte?

Eine Quinte bezeichnet den Abstand zwischen dem ersten und fünften Ton einer Tonleiter. Dieser Abstand entspricht sieben Halbtonschritten und gilt als eines der konsonantesten, also angenehmsten Intervalle in der Musik.

Beispiel:

  • Ausgehend von C: C – D – E – F – G
  • Der fünfte Ton ist G, also ist G die Quinte von C
  • Von G aus weiter: G – A – B (H) – C – D
  • Der fünfte Ton ist D, also ist D die Quinte von G

Genau nach diesem Prinzip bewegt sich der Quintenzirkel: Jede Tonart ist eine Quinte höher als die vorherige, wenn man im Uhrzeigersinn geht, oder eine Quinte tiefer, wenn man gegen den Uhrzeigersinn geht.

Der Aufbau des Quintenzirkels verstehen

Der Quintenzirkel ähnelt einer Uhr mit zwölf Positionen. Auf jeder Position steht eine Dur-Tonart, und im inneren Kreis findet man die zugehörige parallele Moll-Tonart.

Die Anordnung der Tonarten

Ganz oben, auf der 12-Uhr-Position, steht C-Dur – die einzige Tonart ohne Vorzeichen. Von hier aus entwickelt sich der Kreis in beide Richtungen:

Im Uhrzeigersinn (rechts): Die Kreuz-Tonarten mit zunehmenden Kreuzen (#)
Gegen den Uhrzeigersinn (links): Die B-Tonarten mit zunehmenden Bs (♭)

Diese systematische Anordnung macht es einfach, die Anzahl der Vorzeichen für jede Tonart zu bestimmen und zeigt gleichzeitig die harmonischen Beziehungen zwischen den Tonarten auf.

Kreuz-Tonarten: Die rechte Seite des Quintenzirkels

Auf der rechten Seite des Quintenzirkels bewegen wir uns durch die Kreuz-Tonarten. Mit jedem Schritt im Uhrzeigersinn kommt ein weiteres Kreuz (#) hinzu. Die Reihenfolge der Tonarten ist:

  • C-Dur – 0 Kreuze (keine Vorzeichen)
  • G-Dur – 1 Kreuz (Fis)
  • D-Dur – 2 Kreuze (Fis, Cis)
  • A-Dur – 3 Kreuze (Fis, Cis, Gis)
  • E-Dur – 4 Kreuze (Fis, Cis, Gis, Dis)
  • B (H)-Dur – 5 Kreuze (Fis, Cis, Gis, Dis, Ais)
  • Fis-Dur – 6 Kreuze (Fis, Cis, Gis, Dis, Ais, Eis)

Merkspruch für die Reihenfolge der Kreuze

Um dir die Reihenfolge der Kreuze zu merken, kannst du diesen Merkspruch verwenden:

„Geh Du Alter Esel Hole Fische“
(Entspricht: G – D – A – E – H – Fis)

Alternativ für die Kreuze selbst:
„Frische Clarks Gehen Donnerstags Abends Essen“
(Entspricht: Fis – Cis – Gis – Dis – Ais – Eis)

💡 Hinweis: Im deutschen Notensystem wird der Ton H verwendet, während international B üblich ist. Für den Quintenzirkel und das Klavierspiel in Deutschland verwenden wir H.

B-Tonarten: Die linke Seite des Quintenzirkels

Bewegen wir uns gegen den Uhrzeigersinn, also nach links von C-Dur, gelangen wir zu den B-Tonarten. Hier kommt mit jedem Schritt ein weiteres B (♭) hinzu:

  • C-Dur – 0 Bs (keine Vorzeichen)
  • F-Dur – 1 B (B)
  • B-Dur – 2 Bs (B, Es)
  • Es-Dur – 3 Bs (B, Es, As)
  • As-Dur – 4 Bs (B, Es, As, Des)
  • Des-Dur – 5 Bs (B, Es, As, Des, Ges)
  • Ges-Dur – 6 Bs (B, Es, As, Des, Ges, Ces)

Merkspruch für die Reihenfolge der Bs

Für die B-Tonarten gibt es ebenfalls einen hilfreichen Merkspruch:

„Frische Brötchen Essen Asse Des Gesangs“
(Entspricht: F – Bb – Es – As – Des – Ges)

Für die Bs selbst:
„Be Es As Des Ges Ces“
(Entspricht: Bb – Es – As – Des – Ges – Ces)

Parallele Moll-Tonarten im Quintenzirkel

Eine Besonderheit des Quintenzirkels ist, dass er nicht nur Dur-Tonarten darstellt, sondern auch die zugehörigen parallelen Moll-Tonarten. Diese befinden sich meist im inneren Kreis der Darstellung.

Was sind parallele Tonarten?

Parallele Tonarten sind Dur- und Moll-Tonarten, die dieselben Vorzeichen haben. Die Moll-Tonart liegt dabei immer eine kleine Terz tiefer (drei Halbtonschritte) als ihre parallele Dur-Tonart.

Die wichtigsten Dur-Moll-Paare:

  • C-DurA-Moll (0 Vorzeichen)
  • G-DurE-Moll (1 Kreuz)
  • D-DurH-Moll (2 Kreuze)
  • A-DurFis-Moll (3 Kreuze)
  • E-DurCis-Moll (4 Kreuze)
  • F-DurD-Moll (1 B)
  • B-DurG-Moll (2 Bs)
  • Es-DurC-Moll (3 Bs)

Diese Parallelität ist besonders praktisch: Wenn du die Vorzeichen einer Dur-Tonart kennst, kennst du automatisch auch die Vorzeichen der parallelen Moll-Tonart.

Praktische Anwendung des Quintenzirkels am Klavier

Der Quintenzirkel ist weit mehr als nur ein theoretisches Konzept – er ist ein praktisches Hilfsmittel, das dir im Alltag am Klavier enorm helfen kann.

Tonart eines Stückes bestimmen

Wenn du ein neues Stück spielen möchtest, hilft dir der Quintenzirkel, schnell die Tonart zu erkennen:

  1. Schaue auf die Vorzeichen am Anfang der Notenzeile
  2. Zähle die Anzahl der Kreuze oder Bs
  3. Verwende den Quintenzirkel oder die Merksprüche, um die Tonart zu bestimmen

Beispiel: Du siehst zwei Kreuze in den Noten. Laut Merkspruch „Geh Du Alter Esel…“ sind das die ersten beiden Tonarten mit Kreuzen: G-Dur (1 Kreuz) und D-Dur (2 Kreuze). Bei zwei Kreuzen ist es also D-Dur oder die parallele Tonart H-Moll.

Transponieren von Liedern

Möchtest du ein Lied in eine andere Tonart spielen, weil diese besser zu deiner Stimme oder deinem Können passt? Der Quintenzirkel zeigt dir, wie die Tonarten zueinander stehen:

  • Ein Lied in C-Dur eine Quinte höher transponieren → G-Dur
  • Ein Lied in G-Dur eine Quinte tiefer transponieren → C-Dur

Akkordfolgen und Harmonielehre verstehen

Der Quintenzirkel hilft dir auch beim Verständnis von Akkordfolgen. Benachbarte Tonarten im Quintenzirkel harmonieren besonders gut miteinander. Die sogenannte Quintfall-Sequenz (Bewegung entgegen dem Uhrzeigersinn) ist eine der häufigsten Akkordprogressionen in der Musik.

Beispiel: Die Akkordfolge C – F – Bb – Es bewegt sich im Quintenzirkel gegen den Uhrzeigersinn und klingt daher harmonisch schlüssig.

Häufig gestellte Fragen zum Quintenzirkel

Wie merke ich mir den Quintenzirkel am besten?

Die Kombination aus Merksprüchen und regelmäßiger Anwendung ist am effektivsten. Drucke dir die kostenlose PDF aus und hänge sie neben dein Klavier. Jedes Mal, wenn du ein neues Stück spielst, bestimme die Tonart mithilfe des Quintenzirkels – so verinnerlichst du ihn mit der Zeit automatisch.

Warum hat C-Dur keine Vorzeichen?

C-Dur besteht ausschließlich aus den weißen Tasten auf dem Klavier (C-D-E-F-G-A-H-C), ohne schwarze Tasten. Deshalb benötigt diese Tonleiter keine Vorzeichen. Der Quintenzirkel beginnt mit C-Dur an der Spitze, weil es die neutralste und grundlegendste Tonart ist.

Was ist der Unterschied zwischen Dur und Moll im Quintenzirkel?

Dur- und Moll-Tonarten teilen sich im Quintenzirkel dieselbe Position, wenn sie parallel zueinander sind – sie haben die gleichen Vorzeichen. Der Unterschied liegt im Grundton: Die Moll-Tonart beginnt drei Halbtonschritte tiefer als ihre parallele Dur-Tonart. C-Dur und A-Moll haben zum Beispiel beide keine Vorzeichen, aber A-Moll beginnt auf dem Ton A.

Brauche ich den Quintenzirkel wirklich zum Klavierspielen?

Während du theoretisch auch ohne den Quintenzirkel Klavier spielen kannst, macht er das Lernen und Verstehen von Musiktheorie deutlich einfacher. Besonders beim Spielen nach Noten, beim Improvisieren und beim Komponieren eigener Stücke ist der Quintenzirkel ein unverzichtbares Werkzeug. Er spart dir Zeit und hilft dir, musikalische Zusammenhänge schneller zu erfassen.

Wie kann ich den Quintenzirkel aktiv üben?

Hier sind einige praktische Übungen:

  • Tonleitern spielen: Spiele alle Dur-Tonleitern in der Reihenfolge des Quintenzirkels
  • Vorzeichen benennen: Nimm eine zufällige Tonart und sage die Vorzeichen auf
  • Akkorde bilden: Spiele die Dreiklänge aller Tonarten im Quintenzirkel
  • Lieder transponieren: Nimm ein einfaches Lied und spiele es in verschiedenen Tonarten

Fazit: Der Quintenzirkel als dein musikalischer Kompass

Der Quintenzirkel mag auf den ersten Blick kompliziert wirken, ist aber eines der nützlichsten Werkzeuge für jeden Klavierspieler. Er zeigt dir nicht nur, welche Vorzeichen zu welcher Tonart gehören, sondern auch, wie Tonarten harmonisch miteinander verwandt sind. Mit den richtigen Merksprüchen und etwas Übung wirst du den Quintenzirkel bald intuitiv anwenden können.

Lade dir jetzt die kostenlose PDF herunter und beginne, den Quintenzirkel aktiv in deine Klavierpraxis zu integrieren. Je öfter du ihn verwendest, desto selbstverständlicher wird er für dich – und desto schneller wirst du musikalische Zusammenhänge verstehen und am Klavier umsetzen können.

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