Herkunft und Komponist
„Es ist ein Ros entsprungen“ ist ein Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert. Einen namentlich bekannten Komponisten oder Dichter gibt es nicht: Text und Melodie sind anonym überliefert.
Die älteste bekannte Niederschrift des Textes stammt aus dem Raum Trier und entstand zwischen 1582 und 1588. Gedruckt erschien das Lied mit seiner Melodie erstmals 1599 im Speyerer Gesangbuch, das in Köln gedruckt wurde. Ursprünglich war es ein katholisches Kirchenlied, das in der Advents- und Weihnachtszeit gesungen wurde.
Bekannt gemacht hat das Lied vor allem der evangelische Komponist Michael Praetorius. Sein vierstimmiger Chorsatz von 1609 prägt bis heute, wie viele Chöre und Gemeinden das Lied im Gottesdienst singen. Später griffen auch andere Komponisten die Melodie auf: Johannes Brahms schrieb eine Bearbeitung für Orgel, das Choralvorspiel op. 122 Nr. 8. Im englischsprachigen Raum ist das Lied als „Lo, How a Rose E'er Blooming“ bekannt; diese Übersetzung von Theodore Baker stammt aus dem Jahr 1894.
Unsere Noten sind ein eigenes Arrangement der gemeinfreien Melodie – keine Abschrift des Chorsatzes von Praetorius. Statt vier Chorstimmen enthält die Partitur Melodie, Text und Akkorde, damit du das Lied allein am Klavier spielen oder eine Gruppe begleiten kannst.
Das Leadsheet ist bewusst offen gehalten: Am Klavier spielst du die Melodie und ergänzt die Akkorde, beim Gesang oder auf der Flöte übernimmst du nur die Melodie, und auf der Gitarre begleitest du nach den Akkordsymbolen. Weil es die Noten in allen zwölf Dur-Tonarten gibt, findest du leicht eine Lage, die zu deiner Stimme oder deinem Instrument passt. Für einen feierlichen, andächtigen Klang genügt oft schon die einfache Fassung in ruhigem Tempo.
Liedtext und Bedeutung
Erste Strophe
Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter
wohl zu der halben Nacht.
Der Text des 16. Jahrhunderts ist gemeinfrei. In unseren Noten steht diese erste Strophe unter der Melodie.
Was das Bild der Rose bedeutet
Das Lied greift ein Bild aus dem Buch Jesaja auf (Jesaja 11,1): Aus dem Baumstumpf Isais – der „Wurzel Jesse“ – wächst ein neuer Trieb. Jesse ist der Vater von König David; aus seiner Familie erwarteten die Propheten den Retter. Im Bibeltext ist von einem „Reis“ die Rede, einem jungen Zweig; das Lied macht daraus eine blühende Rose.
Dass dieser Trieb „mitten im kalten Winter“ und „zu der halben Nacht“ blüht, verbindet das Bild mit der Geburt Jesu in der Weihnachtsnacht – etwas Lebendiges entsteht dort, wo niemand es erwartet.
Katholische und evangelische Fassung der zweiten Strophe
Bei der zweiten Strophe unterscheiden sich die Konfessionen. In der katholischen Fassung von 1599 heißt es: „Das Röslein, das ich meine, davon Jesaja sagt, ist Maria, die Reine“. Die Rose ist hier Maria, ihr Kind das „Blümlein“. Michael Praetorius dichtete die Strophe für die evangelische Kirche um: „Das Röslein, das ich meine, davon Jesaja sagt, hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd“. In dieser Lesart meinen „Röslein“ und „Blümlein“ beide Jesus; Maria ist diejenige, die ihn zur Welt bringt. Je nach Gesangbuch singst du deshalb im Gottesdienst eine etwas andere Strophe.
Wenn dir das Notenbild noch fremd ist, hilft dir der Einstieg Noten lesen lernen. Weitere Lieder für die Advents- und Weihnachtszeit: Macht hoch die Tür, Stille Nacht und O du fröhliche.